FCI-Standard N°
217
16. 09. 1996 / GB
Bayerischer Gebirgsschweisshund
FCI - Standard Nr. 217
/ 01. 04. 1996 / D
URSPRUNG : Deutschland.
DATUM DER PUBLIKATION DES GÜLTIGEN ORIGINAL- STANDARDES : 01. 04. 1996.
VERWENDUNG : Schweisshund.
KLASSIFIKATION FCI:
Gruppe 6 Laufhunde und Schweisshunde.
Sektion 2 Schweisshunde.
Mit Arbeitsprüfung.
KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS : Alle Leit- und Schweisshunde stammen von den Urjagdhunden, den Bracken
ab. Alle reinen Bracken haben feinste Nase auf Spur und Fährte, grösste Fährtensicherheit,
sehr ausgeprägten Fährtenwillen und lockeren Fährtenlaut beim Jagen.
Ursprünglich nahm man die verlässlichsten und sichersten Bracken aus der Meute
und suchte mit ihnen am Riemen die verlorene Fährte des gejagten Wildes. Aus
diesen ruhigsten und führigsten Bracken wurden später die Leithunde (nur auf
natürlicher kalter Gesundfährte gearbeitet) und die Schweisshunde (auf der
Wundfährte geführt, sogen. „verdorbene Leithunde“) herausgezüchtet. Durch
Einkreuzung genetisch relativ nahestehender Rassen Ende des 18. / Anfangs 19.
Jahrhunderts entstand der heutige Hannoversche Schweisshund. Nach der
Revolution von 1848, also nach der Zerschlagung der Grossreviere und der
Ablösung der ehemaligen Jagdmethoden durch Pirsch- und Ansitzjagd bei gleichzeitig
verbesserten Schusswaffen wurde der Hund „nach dem Schuss“ gebraucht.
Spezialisiert auf sichere Riemenarbeit konnte man auf laute Hatz,
Durchhaltewillen und Schärfe besonders in den Bergrevieren nicht verzichten.
Dort erwies sich der Hannoversche Schweisshund als zu schwer. Um diese
gewünschten Leistungen auch im schwierigen Berggelände zu erreichen, züchtete
Baron Karg-Bebenburg, Reichenhall, nach 1870 den rassigen und veredelten,
leichteren Gebirgsschweisshund, indem er Hannoversche Schweisshund mit roten
Gebirgsbracken kreuzte. Zunehmend verdrängten diese Hunde andere Rassen aus den
Bergrevieren, so dass der Bayerische Gebirgsschweisshund heute der klassische
Begleiter der Berufsjäger und Förster geworden ist. 1912 wurde der „Klub für
Bayerische Gebirgsschweisshunde“ mit Sitz in München gegründet. Er ist der
einzige anerkannte Zuchtverein für Bayerische Gebirgsschweisshunde in
Deutschland.
ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD : Ein
insgesamt harmonischer, leichterer, sehr beweglicher und muskulöser, mittelgrosser
Hund. Der Körper ist etwas länger als hoch, hinten etwas überhöht; steht auf
nicht zu hohen Läufen. Der Kopf wird waagerecht oder etwas aufgerichtet, die
Rute waagerecht oder schräg abwärts getragen.
VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) : Ruhig und ausgeglichen; anhänglich gegenüber seinem Besitzer,
zurückhaltend gegenüber Fremden. Gefordert wird ein in sich gefestigter,
selbstsicherer, unerschrockener und leichtführiger Hund, der weder scheu noch
aggressiv ist.
KOPF :
OBERKOPF : Verhältnismässig breit, flach gewölbt, Stirn deutlich abgesetzt,
Augenbrauenbögen gut entwickelt, Hinterhauptsbein wenig ausgeprägt.
Stop : Ausgeprägt.
GESICHTSSCHÄDEL :
Nasenschwamm : Von guter Grösse, nicht zu breit, Nasenlöcher gut geöffnet. Schwarz oder
dunkelrot.
Fang : Von den Augen etwas abgesetzt, etwas kürzer als der Schädel, genügend
breit, nicht spitz. Nasenrücken leicht gewölbt oder gerade.
Lefzen : Gut überfallend, von mittlerer Dicke. Lefzenwinkel gut sichtbar.
Kiefer
/ Zähne : Kräftige Kiefer mit einem perfekten, regelmässigen
und vollständigen Scherengebiss, wobei die obere Schneidezahnreihe ohne
Zwischenraum über die untere greift und die Zähne senkrecht im Kiefer stehen.
Mit 42 gesunden Zähnen gemäss der Zahnformel. Zangengebiss zulässig.
Backen : Nur mässig betont.
Augen : Klar, aufmerksamer Ausdruck. Nicht zu gross und zu rund. Dunkelbraun
oder etwas heller. Gut anliegende, pigmentierte Lider.
Behang : Etwas über mittellang, aber höchstens bis zur Nase reichend, schwer,
hoch und breit angesetzt, unten abgerundet, ohne Drehung anliegend
herabhängend.
HALS : Mittellang und kräftig.
Etwas losere Kehlhaut.
KÖRPER :
Obere
Profillinie : Vom Widerrist zur Hinterhand leicht ansteigend.
Widerrist : Wenig ausgeprägt. Fliessender Übergang vom Hals zum Rücken.
Rücken : Kräftig und elastisch.
Lenden : Verhältnismässig kurz, breit, sehr gut bemuskelt.
Kruppe : Lang und ziemlich flach verlaufend.
Brust : Mässig breit, gut ausgebildete Vorbrust; ovaler Rippenkorb, tief und
lang mit weit nach hinten reichenden Rippen.
Untere
Profillinie und Bauch : Allmählich nach hinten
ansteigend; Bauch leicht aufgezogen.
RUTE : Mittellang, höchstens bis zu
den Sprunggelenken reichend; hoch angesetzt; waagerecht oder leicht schräg
abwärts getragen.
GLIEDMASSEN
VORDERHAND : Die Läufe, von vorne betrachtet, gerade und parallel, von der Seite
betrachtet gut unter dem Körper stehend. Gute Winkelungen.
Schultern : Gut schräg und nach hinten liegendes Schulterblatt, kräftig bemuskelt.
Oberarm : Lang, gut und trocken bemuskelt.
Ellenbogen : Am Körper anliegend, weder einwärts noch auswärts gedreht.
Unterarm : Trocken und senkrecht stehend. Kräftige Knochen, sehr gut bemuskelt.
Vorderfusswurzelgelenk : Kräftig.
Vordermittelfuss : Gering nach vorne gerichtet.
Vorderpfoten : Löffelförmig, mit gut gewölbten und eng aneinanderliegenden Zehen sowie
genügen gepolsterten, derben, widerstandsfähigen und gut pigmentierten Ballen.
Sie fussen parallel, im Stand und in der Bewegung weder einwärts noch auswärts
gerichtet. Krallen schwarz oder hornfarbig.
HINTERHAND :
Allgemeines : Kräftige Knochen. Von hinten betrachtet gerade und parallel. Gute
Winkelungen.
Oberschenkel : Breit und sehr muskulös.
Knie : Kräftig.
Unterschenkel : Verhältnismässig lang, muskulös und sehnig.
Sprunggelenk : Kräftig.
Hintermittelfuss : Kurz, senkrecht stehend.
Hinterpfoten : Löffelförmig, mit gut gewölbten und eng aneinanderliegenden Zehen sowie
genügend gepolsterten, derben, widerstandsfähigen und gut pigmentierten Ballen.
Sie fussen parallel, im Stand und in der Bewegung weder einwärts noch auswärts
gerichtet. Krallen schwarz oder hornfarbig.
GANGWERK : Raumgreifend, guter
Vortritt und guter Schub, in Vorderhand und Hinterhand gerade und parallel,
leicht federnd.
HAUT : Kräftig, straff anliegend.
HAARKLEID
HAAR : Dicht, glatt anliegend, mässig rauh, mit wenig Glanz; feiner an Kopf und
Behang, rauer und länger an Bauch, Läufen und Rute.
FARBE : Tiefrot, hirschrot, rotbraun, rotgelb, auch fahlgelb bis semmelfarben;
rotgrau, wie das Winterhaar des Rotwildes, auch geflammt oder dunkel
gestichelt. Auf dem Rücken ist die Grundfarbe meist intensiver. Fang und Behang
dunkel. Rute meistens dunkel gestichelt. Kleiner, heller Brustfleck
(Brackenstern) ist zulässig.
GRÖSSE UND GEWICHT :
Widerristhöhe : Rüden : 47 – 52 cm.
Hündinnen : 44
– 48 cm.
Toleranz : Für Rüden und Hündinnen keine Toleranz nach oben und unten.
FEHLER : Jede Abweichung von den
vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in
genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.
SCHWERE FEHLER :
AUSSCHLIESSENDE FEHLER :
N.B. : Rüden müssen zwei
offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im
Hodensack befinden.